Kunststoffverarbeiter vor Ort unterstützen „Vechta gegen Corona“

Die Idee, Pflegepersonal, Ärzte und Therapeuten mit einem Gesichtsvisier auszustatten, kam aus der 3D-Drucker-Szene. Die Aktion der Initiative „Vechta gegen Corona“ fand zahlreiche Unterstützer – auch in der heimischen Wirtschaft. Nun laufen die Maschinen für die Serienproduktion in den Unternehmen Pöppelmann (Lohne), ATKA (Lohne) und MOL (Vechta). Jeder Betrieb steuert ein Bauteil bei. Die Gesichtsvisiere sollen helfen, den Kontakt mit Tröpfchen aus dem Atem von Patienten zu vermeiden.

„Dank dieser Unterstützung sind wir deutschlandweit die Ersten, die in der aktuellen Notlage große Stückzahlen an Gesichtsvisieren anbieten können“, sagt Dominik Wilming. Der Diplom-Ingenieur und passionierte Hobby-3D-Drucker gründete im März die Initiative „Vechta gegen Corona“. Sein Aufruf in der 3D-Druck-Community, Halterungen für Gesichtsvisiere herzustellen, fand zahlreiche Mitstreiter – und begeisterte auch Unternehmen der heimischen Kunststoffbranche.

Nun stellt Pöppelmann die Visierscheiben her, ATKA fertigt die Halterungen; die Knopfloch-Gummibänder zur Befestigung des Visiers am Kopf entstehen bei MOL Gummiverarbeitung Vechta. Die Absprachen der vergangenen Tage in dieser einzigartigen Kooperation seien unglaublich unkompliziert gewesen, sagt Dominik Wilming. „Das ist Südoldenburg. Hier sagen die Leute: Das können wir, das machen wir!“

Matthias Lesch, Geschäftsführer von Pöppelmann, betont: „Wir waren von Anfang an von diesem großartigen Projekt begeistert und freuen uns sehr, dass wir hier im Schulterschluss mit weiteren heimischen Unternehmen mit unserem Know-how unsere Verbundenheit mit den Menschen vor Ort unter Beweis stellen können.“

Die drei Unternehmen ATKA, MOL und Pöppelmann spenden die Kosten für die Herstellung der Werkzeuge für die Bauteile sowie die ersten 1000 Gesichtsvisiere. Sie sollen vor Ort an Einrichtungen des Gesundheitswesens verteilt werden. Die weiteren Visiere werden zum Selbstkostenpreis von vier Euro pro Stück abgegeben. Dominik Wilming freut sich riesig, dass er für die Verpackung und den Versand der Visiere das Andreaswerk mit ins Boot holen konnte. „Das ist eine Win-Win-Situation für uns alle. Die Werkstatt des Andreaswerks sichert ihre Arbeitsplätze in diesen schwierigen Zeiten und verfügt zudem über die Logistik für Verpackung und Versand. Diesen Part hätten wir in diesen Dimensionen nicht selbst leisten können.“ Martin Sander ist der stellvertretende Leiter der Werkstatt des Andreaswerks, einer gemeinnützigen Einrichtung, in der Menschen mit Beeinträchtigungen betreut werden, bestätigt die große Bedeutung dieser Kooperation: „Das ist für uns ein wichtiger und zugleich systemrelevanter Auftrag.“

Auch wenn nun Industrieunternehmen in die Produktion eingestiegen seien, sei das Engagement der 3D-Druck-Community weiterhin sehr wichtig, betont Dominik Wilming. „Es gibt nach wie vor viele Ideen, Anfragen und Anregungen, die wir auch im Blog auf unserer Website vorstellen. Der 3D-Druck bietet viele Vorteile. Man ist damit flexibel, um neue Ideen aufzugreifen und schnell weiterzuentwickeln.“

Info und Anfragen: Aktuell bereitet das Andreaswerk die Einrichtung eines Internet-Shops vor. Bis dahin können Bestellungen über die Website der Initiative Vechta gegen Corona aufgegeben werden.

https://vechta-gegen-corona.de/