Ein Tag im Museum: Lasst uns über Kunststoff sprechen.

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Ein Tag im Museum: Lasst uns über Kunststoff sprechen.

Mit dem 1. Pöppelmann-Forschersonntag im Industriemuseum Lohne gibt das Unternehmen im November 2018 Einblick in die Technologie der Kunststoffverarbeitung – und stellt sich drängenden Fragen. Denn Plastikmüll in den Weltmeeren und Mikroplastik in der Umwelt haben die gesamte Branche in Verruf gebracht.

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Teaser Film Nachhaltigkeitsbericht Region

Sonntag, 18. November 2018, 10.55 Uhr: Daniel Petter, Leiter des Pöppelmann Technologiescoutings, blickt noch einmal prüfend in den großen Ausstellungsraum des Industriemuseums Lohne: Alles klar, die 17 Stationen für junge Kunststoffforscher stehen bereit – von der Schreddermaschine bis hin zum Filamentdrucker. Dann öffnet sich um Punkt 11 Uhr die Tür des Industriemuseums Lohne. Der 1. Pöppelmann-Forschersonntag Familien-Veranstaltung des Unternehmens in Kooperation mit dem Industriemuseum Lohne am 18. November 2018 im Industriemuseum Lohne. close1. Pöppelmann-Forschersonntag beginnt. Sieben Stunden später steht fest: Die akribischen Vorbereitungen haben sich gelohnt.

1025: Noch nie zuvor hat das Industriemuseum so viele Besucher an einem Tag gezählt. „Es war für uns fast unglaublich“, schildert Daniel Petter im Rückblick. Er gehörte zum Pöppelmann-Projektteam, das den Forschersonntag abteilungsübergreifend vorbereitete. „Schon gleich zu Beginn gab es am Eingang eine Besucherschlange, die wohl 20 Meter lang war“, erinnert er sich. 
 
Für Ulrike Hagemeier, hauptamtliche Leiterin des Industriemuseums, zählt der Tag auch in der Nachbetrachtung zu den herausragenden Veranstaltungen seit Bestehen des Industriemuseums. „Als wir mit den Planungen anfingen, hätte ich nicht geahnt, dass es dieses Ausmaß annehmen würde. Das hätten wir allein mit unseren Mitteln auch gar nicht geschafft.“

Etwa ein Dreivierteljahr dauerten die Vorbereitungen. Daniel Petter: „Alle waren begeistert von dieser Chance, der Öffentlichkeit zeigen zu können, wie wir mit Kunststoff umgehen, wie vielseitig und auch wie zukunftsfähig das Material ist, das wir verarbeiten.“

Das Pöppelmann-Team suchte den Dialog mit den Menschen in der Region – aktiv, offensiv, selbstbewusst; trotz und auch gerade wegen des zeitgleich wachsenden öffentlichen Drucks auf die gesamte Branche. 2018 berichteten Nachrichten fast täglich über Plastikmüll in den Ozeanen, verendete Seetiere mit Kunststoffresten im Magen und Mikroplastik Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind. Als primäres Mikroplastik werden sogenannte Kunststoffpellets bezeichnet, die von der Industrie zur Weiterverarbeitung u. a. in der Kosmetikproduktion hergestellt werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht wiederum beim Zerfall größerer Kunststoffteile durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wellen. closeMikroplastik in der Umwelt. Anfang 2018 hatte China einen Einfuhrstopp für Plastikmüll verhängt. Zweifelhafte Entsorgungsmethoden für gebrauchte Kunststoffverpackungen wurden bekannt. Ebenfalls zu Jahresbeginn legte die Europäische Kommission ihre Kunststoffstrategie vor. Kunststoff und Kunststoffrecycling waren zu Themen geworden, die die Öffentlichkeit bewegten.

Diese aktuelle Nachrichtenlage wurde auch im Vorbereitungsteam des Forschersonntags immer wieder thematisiert. Kritisch diskutierten beispielsweise die Auszubildenden, die ihre Initiative Kunststoffmobil In der Unternehmensinitiative Kunststoffmobil setzen sich Auszubildende mit den gesellschaftlichen Dimensionen der Kunststoffverarbeitung – Ressourcenschonung, Abfallvermeidung, Recycling Recycling ist die Bezeichnung für die Wiederverwertung von Abfällen und damit deren Rückführung in den Produktions- und Verbrauchskreislauf. closeRecycling- und Mehrwegsysteme, Verbindung von Ökologie und Ökonomie – auseinander. closeKunststoffmobil im Industriemuseum vorstellen wollten, ob Pöppelmann wirklich nichts mit der Meeresverschmutzung zu tun haben könnte. „Wenn ein Pöppelmann-Pflanztopf nach Asien verkauft und dort nach Gebrauch nicht richtig entsorgt wird, haben wir sehr wohl etwas damit zu tun“, war als Argument zu hören.

Für die jungen Leute vom „Kunststoffmobil“ war der Forschersonntag der Startschuss für die Arbeit ihrer Initiative: Sie ist die Plattform für die Auszubildenden des Unternehmens, um mit der Öffentlichkeit in den Dialog über die Kunststoffverarbeitung der Zukunft zu treten. „Beim Forschersonntag haben wir einen guten Einblick bekommen, wie es später sein wird, wenn wir uns an Schulen vorstellen“, erzählt Sebastian Menke vom Leitungsteam. Beim Tag im Museum betreute er auch die große Ideenwand, an der die Besucher Kritik, Fragen und Ideen rund um den Kunststoff auf Post-It-Zetteln anheften konnten. „Welche Alternative gibt es zu Kunststoff?“, war da später zu lesen, wie auch der Wunsch „Info an den Schulen!“, die Feststellung „Schredder sind toll!“ und der in kindlicher Handschrift festgehaltene Appell:  „Wir müssen sparsam sein!“

Ein klares Wort gegen die Verschwendung der Ressourcen unserer Erde. „Mit dem Forschersonntag wollten wir unsere Botschaft vermitteln: Kunststoff ist ein nachhaltiges Material, wenn man richtig damit umgeht“, beschreibt Daniel Petter den Ausgangpunkt der Überlegungen im Organisationsteam. Unterhaltsam und informativ sollten die Museumsbesucher diesen Tag erleben – und gleichzeitig Einblick in die Technologie der Kunststoffverarbeitung bekommen. „Es war für uns eine besondere Herausforderung, die technischen Prozesse so darzustellen, dass auch ein Laie sie gleich versteht.“

So wurde dieser Tag im Museum zu einer Veranstaltung, die staunen ließ und viele sichtlich begeisterte. Während der Lohner Percussionist Carlo Runnebom auf Pöppelmann-Produkten in zwei Workshops mit Kindern für Kunststoff-Konzerte probte, erklärten Pöppelmann-Azubis an den Entdeckerstationen die Grundlagen der Kunststoffverarbeitung – und zwar in der Praxis und mit richtigen Maschinen. Kinder machten auf einem Rundkurs erste Bekanntschaft mit Schredder, Extruder, Spritzguss Das Spritzgießen Das Spritzgießen ist ein vollautomatisierbares Verfahren mit hoher Reproduziergenauigkeit. Es eignet sich für die Herstellung komplizierter Formteile als Massenartikel. closeSpritzgießen ist ein vollautomatisierbares Verfahren mit hoher Reproduziergenauigkeit. Es eignet sich für die Herstellung komplizierter Formteile als Massenartikel. closeSpritzguss- und Thermoform Unter Thermoformen versteht man ein Verfahren, das der Umformung von thermoplastischen Kunststoffen dient. Eine veraltete Bezeichnung für dieses Verfahren lautet „Tiefziehen“. closeThermoform-Verfahren, 3D-Druck, verschiedenen Kunststoffarten und Versiegelung einer Lebensmittelverpackung. Der Clou: Wer alle Fragen zu den Stationen richtig beantwortete, bekam als Bonus zur Urkunde als „Kunststoff-Experte“ die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei Pöppelmann – nach erfolgreichem Schulabschluss.

Es sollte nichts beschönigt, aber viel erklärt werden, von der richtigen Entsorgung des Kunststoffmülls im Gelben Sack bis hin zu technologischen Innovationen, die dieses Material erst ermögliche. „Ich hatte an diesem Tag das Gefühl, dass viele der Besucher uns als Unternehmen, das sich der Verantwortung für seine Arbeit bewusst ist, wahrnehmen“, sagt Daniel Petter. Dies sieht er als Chance. „Ich meine, das vorhandene große Interesse sollten wir mit weiteren Aktionen und Veranstaltungen dieser Art vertiefen.“ Eine Idee, die man im Industriemuseum gern aufgreifen würde. „Schließlich“, erklärt Museumsleiterin Ulrike Hagemeier, „ist die Kunststoffindustrie Leitbranche für Lohne.“

Dem Industriemuseum fühlt sich Pöppelmann in besonderer Weise verbunden: Es handelt sich um eine Beziehung, in der sogar ein gewichtiges Stück Firmengeschichte steckt. Denn als sich Gertrud Pöppelmann (1924 – 2009) und Karl-Heinz Diekmann (1932 – 2014) im Mai 1997 als Geschäftsführer aus der operativen Unternehmensleitung verabschiedeten, verbanden sie dies mit einem überraschenden Abschiedsgeschenk an ihre Heimatstadt: Sie gaben bekannt, dass sie die Baufinanzierung des lange geplanten Industriemuseums übernehmen würden. Zuvor hatte es lange so ausgesehen, als könnte dieses Projekt – ein Herzensanliegen des langjährigen Bürgermeisters Helmut Göttke-Krogmann – nicht verwirklicht werden. 2000 öffnete das Museum im Neubau gegenüber dem alten Lohner Bahnhof.

Ulrike Hagemeier kann sich gut vorstellen, dem Thema Kunststoff in der Dauerausstellung einen größeren Raum einzuräumen, „auch als Forum für den Dialog über Kunststoff“. Die Darstellung dieses technologisch hochspannenden Industriezweigs sei ein Alleinstellungsmerkmal des vom Museumsverband Niedersachsen-Bremen zertifizierten Hauses, betont die Expertin für regionale Industriegeschichte: „Im gesamten norddeutschen Raum gibt es kein Museum, das die Kunststoffindustrie thematisiert.“

Zurück zum 18. November 2018: Am Abend dieses Sonntags, nachdem über 1.000 junge und ältere Museumsgäste mit vielen neuen Einblicken in die Kunststoffverarbeitung nach Hause gehen, ist der Enthusiasmus groß. „Ich fand es beeindruckend mitzuerleben, wie viel Arbeit und Engagement das Pöppelmann-Team in diesen Tag investiert hat“, sagt Ulrike Hagemeier. Und fügt hinzu: „Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, dass die Region bei der Diskussion um die aktuellen Themen in der Kunststoffbranche mitgenommen wird. Das kann man nur, wenn man inhaltlich so professionell arbeitet.“

Auch Daniel Petter ist zufrieden: „Natürlich gab es an der ein oder anderen Stelle noch Nachbesserungsbedarf, aber das war wirklich ein cooler Tag und so nur als Team zu schaffen. Jeder hat seine Kenntnisse und Fähigkeiten aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen eingebracht. So haben wir nach außen hin auch den Zusammenhalt bei Pöppelmann präsentiert.“ Plädiert er für eine Neuauflage? „Das würde sich sicher lohnen“, antwortet er. „Themen haben wir genug.“

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